13 Jänner, 2009

Alien im Brautparadies

Trockeneis wabert in Limonadengläsern aus Plastik genüsslich vor sich hin.
Genug weiße Spitze hängt an uniformen Kleiderpuppen, um daraus Myriaden von Tischtüchern scheidern zu können, rein theoretisch, wenn aus dem Ganzen dann doch nichts wird.
Videos von barbrüstigen Feuerwerkern (männlich) flickern in diversen Nischen, Glitzerelfen zum Überdecken hässlich tatowoerter Jugendsünden schimmern auf Mädchenbrüsten und A**geweihen.
Vorstadtdamen entweihen zu Synthesizern Sister-Act-Lieder, One-Man-Orchester vergehen sich an Rock´Rollern.
Fotos bäuerlicher Gastwirtschaft-Festsäle im 80-er-Jahre-Design wetteifern mit denen auffällig herausgeputzer gotischer Schlosshotelkapellen um die Gunst der mehr oder minder Verliebten.
Nur die Schokobrunnen wurden heuer seltsamerweise ausgespart.
Willkommen in der wunderbaren Welt der Weddingplaner.

Hochzeitsmesse also, und irgendwie dazuwischen ich an diesem Sonntag Nachmittag, als vermutlich einziger Single im Umkreis von zwei Kilometern. Aber dienstlich, also unbesorgt sein.

Seltsames Gefühl, so im der Weihstätte der käuflichen Glückinszinierungen, als jemand, sie sich geschworen hat, den Hafen der Ehe weiträumig zu umschiffen.

Nicht mich falsch verstehen. Ich finde Hochzeitsfeiern nicht übel, die Kleider und Dekos und Tiaras sind ganz große Klasse, nur beim Gedanken, ans verheiratet sein deuten sich diskrete Panikattacken an, und auch Zahnweh wir plötzlich ein ganz, ganz relevantes Thema.

Anyway. Da sehen alle, dass man ein Schild um den Hals hat, auf dem ganz groß PRESSE steht, und trotzdem fragen sie einen, wann der große Tag sei. Brr. Gut, gottseidank war mal am dritten Tag schon recht müde und der Enthusiasmus fehlte, mühsam war´s aber irgendwie doch. Vor allem die zehn Tonnen an Infomaterial die ich heimschleppen durfte.

Sei´s drum. Zum Trost ein Video einer US-Hochzeits-Reality-Show, zum Ausnüchtern.