10 Jänner, 2009

Migrationstrauma 2.0

Ein Mac ist was herrliches, sag ich immer. Stabil, solide, verlässlich. Und dass ich jetzt um 162 Euro ärmer und um ein paar silbrige Federn als Ausbeute meiner schieren Verzweiflung reicher bin, hat mit Apple nur relativ am Rande zu tun. Weil: schuld war ja die Festplatte.

Zur Vorgeschichte: Ich hab mich im Herbst nach knapp über 2 Jahren am Apfel dann doch dazu durchgerungen, mir eine größere Festplatte und vor allem einen Datentransport auf dieselbige zu gönnen (weil: keine Lust, stundenlang meine Konfigurationen nachzubasteln und so). Und ja, man kann den Mac auch einfach nur aufräumen, aber irgendwann wird er dann trotzdem zu voll.
War an sich auch keine miese Sache, denn beim Installieren hat etwas nicht ganz gefunzt und man hat mir nicht nur die ganze Datenmigration abgenommen, nein, ich habe für die neue Festplatte dann das ganz neue Betriebssystem 10.5 (für Nichtappler: Leopard) sozusagen geschenkt bekommen, und auf das hab ich eh schon lange gespitzt. Süßes kleines Feature am Rande: das Backup-Programm Time Machine, was Nettes für Vorsichtige und Faule.

Man sollte sich aber nie zu sicher fühlen. Blöd ist nämlich, wenn sich dann kurz nach Neujahr die neue Festplatte trotzdem irgendwie verabschiedet und man die scheinbar gesicherten Daten auf mehrern Rechnern nicht öffnen kann. Und einem klar ist, dass man im wahrscheinlichsten Fall drei Monate Emails und seine ganzen Firefox-Lesezeichen in den Wind schreiben kann. Und dass nicht sicher ist, ob man je wieder an seine frisch verfassten Texte rankommt (und das wäre dann wohl der schlimmste Verlust).

Im Fachladen meiner Wahl am (Sams)Tag des Desasters dann hilfsuchende Gesichter und der Verweis, ich möge am besten am Montag beim Servicecenter vorbeihüpfen, das ginge dann doch schneller. Und dass das bei der Datenmigration schon mal vorkommen könne.

Heimatverlust? Sprachverlust? Identitätsverlust (und zum Drüberstreuen auch noch keine Staatsbürgerschaft)? Ach, was, Datenverlust ist das wahre Trauma meiner Existenz (und bevor ich jetzt politisch korrekt eines aufs Dach kriege: beides probiert, kein Vergleich).

Ich also knapp daran, Rumpelstilzchen zu mimen oder den Laden mit meinen Zähren unter Wasser zu setzen (nein, stimmt nicht, ich war erstaunlich ruhig, wohl noch unter Schock). Hilfreicherweise hab ich dem Eigner dann quasi durchs Hintertürl (der dachte, ich hab was ganz was anderes gemeint, typisch) einen Trick zur Datenrettung entlockt (und ihn dazu bewegt, mir zumindest meine allerneusten Schöpfungen von der Festplatte zu fischen. Hab ihm dann auch brav einen USB-Stick abgekauft).

Ich hab es dann am Montag und mit Hilfe eines anderen MacBooks geschafft, mein Tierchen im besagten Target Disc Mode zu öffnen (nicht verzweifeln, ich hab bis vor einer Woche auch nicht gewusst, was das ist) und die meisten relevanten Daten grobmotorisch auf meine externe Festplatte zu schaufeln. An die Mails bin ich trotzdem nicht rangekommen, die Entwarnung bzw Jubelmeldung von wegen erfolgreicher Datenrettung kam gestern, und seit heut morgen hab ich mein Book, und nach ein wenig Haareraufen kann ich mich auch wieder mit Modem und Airport ins Netz einhängen. Das mit dem Modem hab ich sogar ganz allein geschafft, patents Mädl, ich.

Fazit: Hab einen schönen Steuerabschreibungsposten für die Buchhaltung 2009 (jubel), alle Daten wieder bis auf 2.1.2009 (und was da geschah, kann ich irgendwie rekonstruieren), und zurm drüberstreuen ein neues Topcase – sprich: sie haben für ein kleines Extra-Bakschisch die Apple-Zentralisten bekniet, mein schuldlos gesprungenes Gehäuse für lau, also in Kulanz zu tauschen, und das Schätzchen schnurrt nicht nur wieder wie 1A, es sieht auch wieder schneeweiss tadellos aus (jetzt muss ich nur noch unauffällig die Tixoreste wegkletzeln).
Schön, das...

PS: Meine Festplatte hat sich während eines Telefoninterviews mit einem bekannten österreischischen Opernballmoderator verabschiedet. Aber ich weigere mich, da Zusammenhänge zu sehen...