Wenn man die Schreibenden aber in die Abgründe des Desktop Pusblishing lockt, sie mit Photoshop, Indesign und QuarkXpress vertraut macht, weiß man nicht, was man anrichtet.
Buchstaben bekommen nämlich plötzlich eine andere Bedeutung. Sie sind nicht mehr nur Träger von Klängen und Wortbestandteile, sondern Form an und für sich. Und kann sich zu ein bissi einer Obsession ausarten. Zumindest bei mir. Aber latent gefährdet war ich ja schon immer.
Und, oh, wie schön können Buchstaben sein. Ich hab je schon vor einem Jahr Nächte damit verbracht, mir hunderte Schriften auf meinen Mac zu laden (Tipp: DaFont.com), gebrochene Gothic-Buchstaben zu bestaunen, mir zu überlegen, was man mit einer Handschrift Namens Jane Austen so alles anrichten könnte... hab mich dann aber irgendwie unter Kontrolle gekriegt.
Bis jetzt.
Jetzt also der nächste Schub. Begonnen hat es im Sommer, als mir via Amazon (in Sachen literarischer und typographischer Substanzen ist er das, was der Deichmann in Sachen halb-legaler Schuh-Substanzen ist) zwei Bücher zum Thema Handschrift-Design in die Finger gekommen sind, nämlich Hand Written

und Hand Job

Tja... was soll ich sagen... es ist wieder da, schlimmer als zuvor...
Und Papier... ach Papier... bin letztens wieder durch Bösners Kunstgroßhandlung gelaufen (ein extatisches Erlebnis per se), und die haben Papier... Farbpapier, Japanpapier, alle Arten von bedruckten Bögen, Papier mit eingearbeiteten Fasern... alleine die Finger über die Oberfläche gleiten zu lassen, die Textur zu ertatsen, den Kontakt und Kontrast zwischen Material und Fingerspitze... Papier ist einfach was endlos geiles.
(der Höhepunkt der an sich eh schon hochspannenden* PR-Ausbildung war ein Abend mit dem Chef der Druckerei Robitschek das war schon ausgesprochen sexy, was der über Transparenz und Papierdicke und Ausstanzungen erzählt hat. Naja, für mich war´s sexy, ich hab ihn nach Herzchenslust gelöchtert, die Kolleginnen neben mir sind reigenweise zum Tiefschlaf übergelaufen).
Jedenfalls, eine neue Obsession... und das ist erst der Anfang... Demnächst mehr über Helvetica den Film, Herrn Zapf und die Dingbats, Ellen Lupton und die Schönheit gotischer Initialen.
*nein, war mal nicht ironisch, da hat Rhealicious echt was gelernt fürs Leben...
1 Kommentare:
Ich glaub ich war mal in der gleichen Kunsthandlung ... stundenlang gestaunt und gewollt, und dann mit " wenn ich mal gross und reich bin..." weggegangen :-/
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