08 Februar, 2009

Oh Brother, where art thou?

Als Zwölfjährige wird man vor große Entscheidungen gestellt.
Absolviert man den humanistischen Zweig und übersteht sechs Jahre Ablativus Absolutus, oder wählt man Realgymnasium mit geometrisch Zeichnen und hat noch zwei Jahre lang Handarbeitsunterricht?
Nein, schwer war die Entscheidung wirklich nicht.

Abgesehen davon, dass ich in geometrisch Zeichnen die Flasche aller Flaschen bin (bei Graph an Figaros Hochzeit denke, mit Tangenten japanische Speisen assoziire und meine rechten Winkel jeden Statiker zum Weinen bringen), waren die Handarbeitsstunden mein liebstgehasster Gegenstand von überhaupt. Während die Burschen Werken hatten (ja, so alt bin sich schon, in den späten Achtzigern gab es allen ernstes noch die Geschlechtertrennung) und reihenweise coole Vogelhäuschen und selbstgefräste Kasterln nach Hause schleppen durften, haben wir (oder besser gesagt zwangsweise dann unsere Mütter und Großmütter) wirklich noch Socken gestrickt. Und aus Plastikstoffen untragbare Kimonos genäht (und ja, das Ding hab ich sogar noch. Zur Abschreckung.) Die Handarbeitstante von damals hieß übrigens Gager (sprich: gaga) und darf sich noch auf eine literarische Verwurstung der üblen Art freuen.

Jedenfalls habe ich jetzt ein großes Latinum. Und vom Nähen Nüsse Ahnung.

Während meiner Schulzeit hab ich die Entscheidung nie wirklich bereut, selbst während wir bei Sallust die götterverfluchte catlinarische Verschwörung ein zweites Mal durchgekaut habe (als ob sie bei Ciciero nicht schlimm genug gewesen wäre).
Aber jetzt, nachdem sich meine damals schon spärlichen Lateinkentnisse dahingehend verflüchigt haben, dass ich ohne Langenscheidt nicht mal einen Grabstein übersetzen kann, frage ich mich, ob ich nicht doch nähen hätte lernen sollen.

Hab nämlich vor einem Jahr oder so die Threadbangrs auf YouTube entdeckt, eine DIY (do it yourself-Community, die aus so ziemlich allem Tragbares basteln und vorhandene Textilen ausgesprochen kreativ pimpen.



Und da war er, der Wunsch, den ich all die Jahre tief in meine feministische Grundbildung vergraben hatte (also ob Frauenrechte irgendwas mit Kunsthandwerk zu tun hätten): ICH WILL EINE NÄHMASCHINE.

Und die gute Nachricht ist, ICH HABE EINE. War mein Weihnachtsgeschenk an mich selber.

Als ich an diesem wunderschönenen Dezemberabend schwer bepackt aus Egelwolfs Nähcenter in der Lugnercity (ja, es gibt dort tatsächlich EIN brauchbares Geschäft) raus bin, war ich einfach nur glücklich. Nicht nur, weil ich mir tatsächlich so ein Trum gekauft habe. Sondern, weil ich den Mut hatte, mir eine wirklich gute (sprich: wirklich teure) zu leisten. Auch, weil sie einen bei einer vernünftigen Anzahlung den Rest auf Raten zahlen lassen, und das zinsfrei (in Mai gehört das Teil dann ganz mir, nur um das klarzustellen).

Ich bin um das Ding ja monatelang herumgeschlichen. Die Brother Innov-IS 30 kann nämlich wirklich einiges (und ja, von dieser Liste hab ich Anfangs auch nur die Hälfte verstanden).
  • Elektronisches Funktionsrad
  • 70 einprogrammierte Stiche
  • Ein-Stufen-Knopflochautomatik mit 7 Varianten
  • Verbesserter F.A.S.T. Nadeleinfädler
  • F.A.S.T. Unterfaden-Schnellautomatik
  • Augenfreundliches Nählicht
  • Versenkbarer Sieben-Punkt-Transporteur
  • F.A.S.T. Aufspulautomatik
  • Auswahl der Stiche per Funktionsrad
  • Snap-on Fußsystem
  • Abnehmbares Verzeichnis aller einprogrammierten Stiche
  • Wahl des Nadelmodus zwischen Zwillings- und Einzelnadel
  • inkl. Kofferhaube
Sie hat Zierstiche! Diverse Füßchen! Und man kann mit dem Ding sogar Sticken, also zumindest rein theoretisch.

(Lechz!!!)

Jetzt kann (und wird) man sich fragen, wozu ein absolute beginner wie ich so ein Multifunktionsgerät braucht, weil ein 90-Euro-Trum aus dem Hofer tut´s doch bitte auch.
Falsch. Ich bin mit gebrauchten Maschinen schon zweimal sowas von eingefahren. Gerade als Anfänger sitzt man bei so einem Seconhand-Teil mehr rum und repariert, als dass man näht. Dass ist einfach nur mühsam. Und frustriert.

Der größte Vorteil meine Brother ist nämlich: Das Ding ist einhundertprozentig anfängerfreundlich. Sprich deppenischer.

Der Fadenlauf von Spule bis Nadel ist vorgezeichnet.
Sie fädelt von selber ein.
Das Untrfadenspulerl braucht man einfach nur einlegen (der wohl größte Luxus überhaupt).
Sie sagt einem, welche Naden man nehmen soll und welches Fusserl.
Die Spannung stelllt sich automatisch ein.
Wenn man den Faden oder sonstwas vergessen hat näht sie einfach nicht, sondern zeigt einem per Fehlernummerierung an, was man gerade verhaut hat.
Wenn sich der Faden verhängt, kann man das selber wieder reparieren.

Herrlich. Einfach nur herrlich. Das ist die XXX Euro (bitte obszön hohen Betrag eingeben) definitiv wert.

Jetzt muss ich nur noch nähen lernen...